Die alte Naziburg

 

Schloss Wolfenstein hält sich seit fast sage und schreibe dreißig Jahren in der Kulturgeschichte des Games. Freilich hat es nicht nur gameplaytechnisch Maßstäbe gesetzt, sondern ist auch verboten worden, bzw. nur in modifizierten Fassungen auf den deutschen Markt gekommen. Das Argument für die Zensur ist das Verbot der Verwendung verfassungswidriger Symbole: In Wolfenstein steuert man einen Nazijäger durch eine Burg seiner Feinde – und die ist mit Hakenkreuzen gepflastert. Ein Nazisoldat ist auch schwerlich ohne Hakenkreuzarmbinde darstellbar. Doch das kümmert die Verfassungsschützer in diesem Falle herzlich wenig. Auch wenn die Vertreter der Hakenkreuzfraktion die Bösewichter sind, die es zu erschießen gilt, greift das Swastika-Verbot. Alle in Deutschland erscheinenden Versionen müssen darob umgestaltet werden, was dem Spiel natürlich eine andere Atmosphäre als die ursprünglich intendierte verleiht.

Die Mutter aller Egoshooter?

Streng genommen gibt es Egoshooter bereits seit 1973, doch erst das zwanzig Jahre später erschienene Wolfenstein 3D von der Firma id Software macht das Genre populär – zusammen mit dem zum Teil auf der Wolfenstein-Engine geschriebenen Doom. Seither gehört der Egoshooter zu den populärsten Genres der Video- und Computerspielkultur. Wegen des Verbotes wurde Wolfenstein, das natürlich von den Journalisten, die schließlich den State of the Art verfolgen mussten, gespielt wurde in Zeitschriften häufig nur unter der Verwendung von Chiffren genannt – denn Wolfenstein wurde 1994 von der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien indiziert.

Datum & Uhrzeit: 06.07.2010, 15:57 Uhr - Kategorien: Allgemein
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